Mit Hund unterwegs mit der Deutschen Bahn

Die Bahn macht viel Werbung für das Reisen mit dem Zug. Leider gibt es für Reisende mit Hund einige Hürden zu erklimmen, will man sich auf das Abenteuer Reisen mit Hund mit der Deutschen Bahn einlassen. Ein Erfahrungsbericht mit Tipps und Hinweisen.
Silke Schippmann, 16.10.2018
Lesezeit: 5 Minuten

Mit Hund Bahn fahren. Oha. Die Deutsche Bahn äußert sich nach einem Disput mit Hundehaltern auf Twitter nun auch öffentlich zu den Benachteiligungen für „mit Hund Reisende“. Das bedeutet: in der Bahn darf der Hund eigentlich nur mit Maulkorb oder im Transportkorb reisen.

„Kleine Haustiere können in einer Transportbox oder Transporttasche als Handgepäck mitgenommen werden. Diese Box muss unter den Sitz oder auf die Ablage über den Sitz passen. Leider gibt es dafür keine konkreten Maße, bitte handeln Sie nach besten Wissen und Gewissen. Dann reisen Ihre Vierbeiner kostenlos.“

Bei größeren Hunden gilt folgendes: sie „müssen angeleint sein und einen Maulkorb tragen. Außerdem benötigen sie ein Ticket zum halben Fahrpreis. Dies gilt für den Flex- und den Sparpreis.“ Leider gilt dies nicht zu allen Fahrtzeiten. Denn bei „Länder- und dem Schönen-Wochenende-Ticket werden große Hunde als Erwachsener gezählt. Reisen Sie also mit 4 Mitfahrern und einem Hund, kaufen Sie bitte ein Ticket für 5 Personen.“

Naja.

Einen Platz bekommt unser Liebling deswegen ja noch lange nicht und reservieren kann man auch nicht. Als wäre das nicht alles nervig genug: man muss sein Ticket im Reisezentrum oder am Automaten kaufen. Wer lieber auf bahn.de oder im DB Navigator bucht: ein Onlineticket zum Selbstausdrucken ist nicht möglich. Die Bahn hat dazu einen wenig komfortablen Vorschlag: „Geben Sie hier bitte Ihren Hund als Kind von 6-14 Jahren ohne Begleitung an und wählen Sie den Postversand. Wichtig: Der Hund darf nicht als kostenloses Familienkind während der Buchung angegeben werden, er benötigt ein Ticket.“  Achtung: Hast Du Dein Ticket gebucht und die Fahrkarte wurde zu spät geliefert, reicht der pure Zahlungsnachweis nicht, in den Quellenangaben am Ende des Artikels haben wir die Antwort dazu der Deutschen Bahn verlinkt.

Für Blindenführhunde gilt folgendes: sie dürfen wenigstens immer kostenfrei mitreisen und benötigen keinen Maulkorb.

Unterm Strich kann man sagen, dass die Reise mit dem Zug für Hundehalter augenscheinlich wenig komfortabel ist, was unsere Umfrage unter mehr als 200 Hundehaltern ebenfalls bestätigte. Nur 6% reisen mit Bus oder Bahn (mit dem Auto 96%!).

Über 10.000.000 Hundehalter scheinen in den Augen der Bahn AG keine erwünschte Zielgruppe zu sein. Von einem Entgegenkommen kann man auch nach diesem, scheinbar eilig zusammengeschriebenen, nicht kommentierbaren Blogbeitrag nicht wirklich reden und ein Umdenken ist wohl nicht zu erwarten.

Dennoch wollen wir die folgenden, zum Teil auch versöhnlichen Meinungen unserer Fans auf Facebook nicht unerwähnt lassen (Danke dafür!):

Nicole schreibt: „Super- das war es für mich mit Bahnfahren. Mein Hund bekommt keinen Maulkorb!

Ruth meint: „Deswegen fahr‘ ich schon lange lieber mit Hund im Auto irgendwohin

Und damit ist sie nicht allein – der Großteil der Hundehalter reist lieber mit dem Auto. Außerdem gibt es einen deutlichen Trend zum Zweithund. Und wer kann und will sich unter diesen Bedingungen noch (finanziell) das Reisen mit der Bahn antun? Denn je nach Ticketart zahlt der mittelgroße bis große Hund die Hälfte bis quasi 100% (beim Länder- und dem Schönes-Wochenende-Ticket).

Nils stellt die zynische Frage: „Gibt es dann für Leute, die sich im Zug nicht benehmen können, eine ähnliche Lösung? Das fänd‘ ICH nämlich sehr charmant

Katinka meint versöhnlich: „Also, als ich das letzte Mal mit Rudi im Zug unterwegs war, hatte ich überhaupt keine Probleme: Wir stiegen ganz vorne ein und setzten uns in eines der leeren Abteile. So konnte sich schon mal niemand belästigt fühlen und es setzte sich dann auch niemand mehr zu uns. Der Maulkorb hing offen und für jeden sichtbar außen am Rucksack. Ich erklärte dem Zugbegleiterteam, dass ich meinem Hund jederzeit den Maulkorb anziehen könnte, aber gern darauf verzichten würde, um ihm die Reise angenehm zu gestalten. Die Reaktion: „Och, ist der süß! Ja, nee… Dem müssen sie doch keinen Maulkorb anziehen, wenn der so lieb ist!“

Da hat sie natürlich Recht. Was aber, wenn ich einen Listenhund habe, oder einen Hund, den andere nicht so süß finden? Kann man dann genauso auf nette Schaffner und Mitreisende hoffen? Ich bin mir nicht sicher. Aber mit Folgendem liegt sie sicher richtig:

Leute, redet miteinander! Nicht sofort schimpfen! Und wir Hundehalter müssen einfach akzeptieren, dass es Menschen gibt, die sich in der Gegenwart von Hunden nicht wohl fühlen! Und das Gute am bezahlten Ticket ist doch, dass man anderen Fahrgästen entsprechendes entgegnen kann, sollten sie sich beschweren! „Wie, Sie haben für Ihren Hund ein Ticket bezahlt?!“ Also wenn ich das Auto wieder mal nicht zur Verfügung habe, würde ich jederzeit wieder mit Hund in der Bahn reisen!

Sylvester vom Urban.Dog Magazin schreibt: „Wir hatten auch noch nie Probleme in der Bahn. Es gab sogar Schaffner, die uns sagten dass wir den kleinen auch aus der Tasche nehmen können. Aber haben immer eine Sporttasche als Pseudo-Transportbox dabei. Wir lieben das Bahnfahren mit Hund, auch wenn die offiziellen Regeln eher hundeunfreundlich sind….

Johannes findet „die Regeln völlig in Ordnung und nicht besonders hundeunfreundlich. Kinderticket, Korb drauf und alles ist gut, passt doch.

Wie wir aber in dem Beitrag der Bahn AG lesen, ist es leider nicht so einfach und auch nicht immer mit einem Kinderticket machbar – abgesehen davon muss man seinen Hund auch erst an einen Maulkorb gewöhnen, man muss das also langfristig planen und nicht alle Hunde können Maulkörbe gut tragen – ich beziehe mich auch plattnasige Hunde, die ohnehin schnell ein Atemproblem kriegen und denen der gängige Maulkorb auch nicht passt. Für Martina von Hundereisenmehr mit ihren „zwei Rhodesian Ridgebacks kommt eine Zugfahrt NIEMALS in Frage“ …

EDIT: Die wunderbare Isabel Garcia von ich rede.de hat noch den folgenden Erfahrungsbericht beigesteuert, der hilfreich sein kann: „Ich bin immer gerne mit meinem Hund in der Bahn gereist. Ich habe es folgendermaßen gemacht. Ich habe mir ein Ticket gekauft und zwei Plätze reserviert. Und das Ticket für meinen Hund dann auch online gekauft, aber dann per Post zuschicken lassen. Das war kein Problem. So hatte mein Hund genug Platz im Fußraum. Wenn er dann den Fensterplatz bekam, habe ich die Leine im Fußraum auch abgemacht und den Maulkorb, hatte aber beides griffbereit, falls jemand danach fragt. Brauchte ich aber nie. Mit Spartarif, lange im Voraus: Sehr günstig und umweltfreundlich.

Wie haltet ihr es mit eurem Hund oder Hunden? Wir sind gespannt auf weitere Meinungen und Ansichten zum Thema Bahnfahren mit Hund!


Anhang: Regelungen der Deutschen Bahn – Stand 20.11.2018

Die offiziellen Regelungen der Deutschen Bahn besagen, dass Du Haustiere, die in eine Transportbox oder Tasche passen, als Handgepäck mitnehmen darfst. Es ist dann erfahrungsgemäß am Personal der DB, wie genau das definiert wird.

Für große Hunde gilt laut Deutscher Bahn:

„Hunde, die zu groß für Transportboxen sind, müssen angeleint sein und einen Maulkorb tragen. Außerdem benötigen sie ein Ticket zum halben Fahrpreis. Dies gilt für den Flex- und den Sparpreis.“

Länder- und Schönes-Wochenende-Ticket

Und, um das ganze noch ein wenig komplizierter zu machen, gilt:

„Bei Länder- und dem Schönen-Wochenende-Ticket werden große Hunde als Erwachsener gezählt. Reisen Sie also mit vier Mitfahrern und einem Hund, kaufen Sie bitte ein Ticket für fünf Personen.“

Die Deutsche Bahn hat beim Thema Reisen mit Hund noch einigen Nachholbedarf, denn auch die Buchung gestaltet sich alles andere als komfortabel, und online schon mal gar nicht…:

„Sollten Sie lieber auf bahn.de oder im DB Navigator buchen, ist ein Onlineticket zum Selbstausdrucken nicht möglich. Geben Sie hier bitte Ihren Hund als Kind von 6-14 Jahren ohne Begleitung an und wählen Sie den Postversand. Wichtig: Der Hund darf nicht als kostenloses Familienkind während der Buchung angegeben werden, er benötigt ein Ticket.

Ausnahme: Blindenführhunde dürfen immer kostenfrei mit reisen und benötigen keinen Maulkorb.“

Auch interessant:

„Sitzplatzreservierungen für Hunde sind nicht möglich".

Die Halter müssen aber den halben bzw. vollen Preis bezahlen. Tolle Logik.

Für internationale Reisen gilt in den Regularien der DB:

„Nach Österreich, Italien und in die Schweiz können Sie kleine Hunde im Behältnis mit einer Maximalgröße von 70x30x50 cm kostenlos mitnehmen.

Haustiere (ausgenommen Blinden- und Begleithunde) sind nicht zugelassen im Verkehr von/nach- Großbritannien- Nordirland und der Republik Irland- Norwegen- in den IC Bussen

Für Fahrten innerhalb anderer Länder sowie Fahrten in Nachtzügen und bei Fahrten mit Globalpreisen gelten teilweise Sonderbedingungen. Wir empfehlen, dass Sie sich dazu vor Ihrer Reise gesondert informieren, zum Beispiel im Reisezentrum.

Blindenführ- und Begleithunde dürfen immer kostenlos mitfahren und müssen keinen Maulkorb tragen.“

Wie immer auf internationalen Reisen mit Hund gilt auch für Reisen mit der Bahn, dass die die tierseuchenpolizeilichen Vorschriften der jeweiligen Länder beachtet werden müssen und notwendige Nachweise über Schutzimpfungen (Internationaler Impfpass oder tierärztliche Impfbescheinigung) mitzuführen sind.

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